welt.de: «Rechtspopulismus. Die sogenannte Mitte ist ein unlogischer Ort»

Dass die Moderne anstrengend ist, wissen wir seit 100 Jahren, sagt der Soziologe Armin Nassehi. Rechte und Linke wollen die Wirklichkeit aus einem Guss. Da können sie lange warten.

Interview mit Armin Nassehi

Marc Jongen dazu: „Unterkomplex“ ist das Lieblingswort des Soziolgen und Luhmann-Schülers Armin Nassehi, wenn es um die AfD geht. Im Gegensatz zu einem hypermoralisirenden Bekenntnis-Linken vom Schlage eines Georg Diez (siehe meinen vorigen Post) scheut Nassehi zumindest nicht von der „Kommunikation“ mit der „unterkomplexen Rechten“ zurück. Seine Reaktion ist deutlich „cooler“ als die des giftigen Diez, nichtsdestotrotz ablehnend-warnend – auch mir gegenüber am Ende des Interviews – und damit ebenso Teil des intellektuellen Mainstreams. (So finden übrigens die alten Streithähne Habermas und Luhmann sich am Ende doch in einem Boot wieder.) Was angesichts der gegenwärtigen gravierenden Probleme unseres Landes deutlich wird: Die Rede von den „komplexen Problemen der Moderne“, auf die sich keine einfachen Antworten geben lassen, wirkt ihrerseits heute zu einfach, ein wohlfeiles Schweben über den Gegensätzen links und rechts, das wenig erklärt und v.a. zu nichts weiter führt als zum Weiterprozessieren der Missstände – auf den Abgrund zu. Die Politik muss die Gesellschaft nicht so sehr „angemessen beschreiben“, sie muss sie gestalten, Unheil von ihr abhalten. Hätte Alexander weiland zuerst Luhmann studiert, er hätte den „komplexen“ gordischen Knoten wohl niemals zerhauen. Insofern wirken Nassehis Ausführungen wie die Botschaft aus einer Zeit, in der bloßes Verwalten in der Politik noch geholfen hat.

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