zeit.de: «Frei zu reden»

zeit.de vom 30.03.2017

„Wann immer Intellektuelle oder Politiker der Neuen Rechten in Theatern oder Universitäten auftreten sollen, formiert sich Protest. Ist das wünschenswert?“

Von Elisabeth von Thadden

Marc Jongen dazu: EINIGE HAKEN schlägt E. v. Thadden in diesem späten Kommentar zur Absage des Zürcher Podiums und anderer Veranstaltungen mit AfD-Vertretern, der vor zwei Wochen schon als Feuilleton-Aufmacher in der gedruckten ZEIT und jetzt auch online erschienen ist.
„Nein, niemand, der eine öffentliche Institution wie eine Bühne oder eine Universität verantwortet, muss sich in seinem Haus einem vermeintlichen Miteinanderredegebot beugen.“ – soweit die Konzession an den links“liberalen“ Zeitgeist. Der Zensurvorwurf an die Verhinderer des Podiums laufe ins Leere, wofür ein erstaunliches Argument vorgebracht wird. Nämlich dass „es, wenn man mal ehrlich ist, ohnehin kaum gelingen kann, den Rechten keine Bühne zu bieten.“ Also kann man es ja getrost mal versuchen und bleibt dennoch „offen und tolerant“ – nette Logik.
Sodann erwägt Frau von Thadden, dass man, quasi gnadenhalber, das Gespräch mit den „Neuen Rechten“ vielleicht doch suchen sollte, weil es sonst nicht mehr so gut bestellt sein könnte um die eigene Liberalität:
„Gespräch bedeutet, sich für bisher Ungesagtes, Unbekanntes zu öffnen. Das heißt ja nicht, deshalb die eigene Haltung zu verlieren. Sondern für bisher Fremdes im anderen und in einem selbst offen zu sein, um diese Binsenweisheit der Psychoanalyse einmal ganz untherapeutisch zu wiederholen.“
Was sich fast schon wie ein Fassen an die eigene Nase anhört, wird im Schlusssatz indes wieder ins Gegenteil verkehrt, der (un)therapeutische Ratschlag war an den politischen Gegner gerichtet: „Genau diese Offenheit für bisher Fremdes will die neue rechte Elite nicht. Denn damit würde ihre Dramatisierung des Eigenen gefährdet.“
Also doch wieder die alte verquere Logik: Weil die anderen (angeblich) „nicht offen“ sind und gar nicht diskutieren wollen, verweigern wir das Gespräch mit Ihnen und zeigen so unsere „Toleranz“. Absurder geht’s nimmer.
Der Artikel ist in seinem unschlüssigen Mäandern ein Symptom für die Ratlosigkeit des Mainstream-„Liberalismus“ im Umgang mit wirklich oppositionellen Positionen. Solange diese angstgetriebene Unschlüssigkeit vorherrscht und man sich nicht auf die urliberalen Prinzipien der Rede- und Meinungsfreiheit – sowie des offenen Meinungsaustauschs – besinnt, haben die linksextremen Überzeugungstäter leichtes Spiel, die Mainstream-Liberalen bei ihren Verhinderungs- und Unterdrückungsaktionen mit in Geiselhaft zu nehmen.

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