frieze.com: «Ausdruck eines tieferen Gedankens»

frieze.com vom 18.03.2016

Politische Rhetorik aus der Kunsthochschule

„Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.“ Dieser Satz tauchte am 22. Februar in der Rede der Pegida-Frau Tatjana Festerling bei der Dresdner Montagsdemo auf. Und weiter: „Ja, und wenn Worte nichts mehr nützen, äußert sich die Straße.“ Gemeint war dies als Rechtfertigung des hasserfüllten Mobs, der in der sächsischen Gemeinde Clausnitz wenige Tage zuvor einen ankommenden Bus mit Flüchtlingen blockiert hatte. Der Satz mit der „Selbstzerstörung“ stammt aus einem Interview, das Peter Sloterdijk Anfang des Jahres dem Cicero gegeben hat. Es ist der letzte Satz, die Schlusspointe des Gesprächs, mit dem der Philosoph für eine „effiziente gemeinsame Grenzpolitik“ für Europa plädiert. Was er für effizient hält, führt er nicht genau aus, aber es bleibt nur der Schluss, dass die Selbstzerstörung drohe, wenn man – wie in Deutschland – allzu hilfs- und aufnahmebereit ist, und nicht – wie in Ungarn – Wälle aus Nato-Draht aufrichtet.

Von Jörg Heiser

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