weltwoche.ch: «Deutschland verflüchtigt sich»

weltwoche.ch vom 11.05.2016

Die Wehrlosigkeit angesichts des Migrantenansturms hat Deutschland erschüttert. Ein ideologischer Riss geht quer durch die Gesellschaft. Es bräuchte ein starkes «Wir», um all jene willkommen zu heissen, die sich das Land zu assimilieren zutraut.

Von Marc Jongen

2016_19_Die-Weltwoche

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  1. Die fast völlige Wehrlosigkeit Deutschlands gründet sich für mich auch in dem jetzt ausbeutbaren historischen Fehler des im Grundgesetz aufgenommenen und nun moralisch zum unumschränkten Zuzugs- und Selbsteinbürgerungsrecht für jedermann umfunktionierten Artikel 16 bzw. 16 a, einer Entpolitisierung in den 1990ern, einer aus der Zeit der Aufklärung stammenden, jetzt erneuerten und auf andere ausgeweiteten Verheiligung islamischer Araber, einer durch Grüne, Linke, SPD und Medien ausgelösten sowie verstärkten Massenpsychose und vollständiger Unkenntnis der eigenen Geschichte, insbesondere der mit Leibniz einsetzenden Neuzeit, die zur industriellen Revolution führte und unseren Wohlstand begründete und begründet.

    Deutschland erscheint aus dieser Sicht nicht mehr als das Land der Nobelpreisträger, Philosophen, Naturwissenschaftler, Ingenieure, Techniker, Handwerker, Facharbeiter und Kaufleute, das sich mittels führender Industrien über Generationen seinen Wohlstand selbst erarbeitete und immer noch erarbeitet.

    So wird es nur allzu erklärlich, dass die falsche Geschichte unseres auf der Ausbeutung anderer Völker beruhenden Wohlstandes die Runde macht.

    Sehr treffend für die deutsche Gegenwart scheint auch zu sein, was der schottische Journalist Charles McKay 1841 in seinem Buch Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowds im Abschnitt National Delusions u.a. schrieb, frei ins Deutsche übertragen: „In der Geschichte von Nationen erkennen wir, wie bei Einzelpersonen, dass sie Marotten und Eigenheiten haben; ihre Zeiten der Erregung und des Draufgängertums, in denen sie nicht beachten, was sie tun. Wir erkennen, dass ganze Gemeinschaften plötzlich ihre Aufmerksamkeit auf etwas richten und wild werden in der Jagd danach; dass Millionen von Menschen gleichzeitig beseelt sind von einer Wahnvorstellung und ihr hinterherrennen, bis ihre Aufmerksamkeit von einer neuen Torheit gefangen wird , die fesselnder ist als diejenige zuvor.“

    Dazu passt auch und schließt daran an, was Eugen Sorg in der Weltwoche u.a. schrieb: „Die Erfindung des muslimischen Spanien als Ort überlegenen Menschtums findet vor 250 Jahren in der Aufklärung statt und wird bis heute in unzähligen Versionen erneuert. Immer bedienen diese die Interessen der jeweiligen Zeit. Der sklerotisch erstarrten katholischen Kirche wird von den französischen Aufklärern eine idealisierte, gleichsam deistisch geläuterte islamische Gegenwelt ohne Papst, Dogma oder Scheiterhaufen vorgehalten. Wie der Rousseausche edle Wilde wird auch die Figur des edlen Muslim oder Orientalen von Pierre Bayle, Montesquieu, Voltaire und anderen zum zivilisationskritischen «Tugendmodell und Beschämungsinstrument» (Siegfried Kohlhammer) ausgeformt. In Herders pädagogisierender Menschheitsutopie schliesslich erscheinen die Hispano-Araber als «Lehrer Europas», die mit dem «orientalischen Genius», mit dem «hellen Licht» ihrer Kultur die abendländische «Dunkelheit» beendet hätten.“

    Zur Frage, was den genau das Deutschsein ausmache, bleibt der Bürger hilflos zurück, weil man ja schlechterdings keine passende Definition zur Hand haben kann und einem die natürliche Herkunft abgestritten wird. Denn dazu müsste man neben seiner Familiengeschichte auch die mehrhundertjährige Alltags-, Mentalitäts-, Sitten-, Kultur- und Geistesgeschichte des neuzeitlichen Deutschlands kennen und in geradezu genialer Weise auf wenige Sätze verdichten können. Schon die Mentalitätsgeschichte Europas [Hrsg. Peter Dinzelbacher] aber bedurfte der interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Spezialisten. Und das Deutsche Museum in München trägt man auch nicht in der Westentasche mit sich herum.

    Aus all dem ergibt sich auch die einfach mögliche Reduzierung der deutschen Geschichte auf 12 Jahre faschistischer Herrschaft in Deutschland. Linke, Liberale und Konservative holten sich nie die von diesem Zivilisationsbruch verschüttete deutsche Geschichte und Kultur zurück. Man erfand sich nach 1945 sowie insbesondere nach 1968 und dann noch mal nach 1989 neu, und schüttete so das Kind mit dem Bade aus. Man wurde eine geschichtslose Nation. Kein Wunder also, dass man diese selbsterzeugte Leere seitens maoistischer und mit dem Furor jakobinischer Tugendterroristen wütendener Umerzieher [vor allem Grüne] mit „kulturellen Bereicherern“ auffüllen konnte, wurde doch dabei gleichzeitig die kulturelle Vielfalt und Einmaligkeit der vielen europäischen Völker und Nationen verleugnet, in die Deutschland schon immer eingebettet war und ist.

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